Die Johanniskirche in Rayen ist verkauft

... aber die Kirche bleibt weiter mitten im Dorf

Die evangelische Kirchengemeinde Neukirchen stellt sich gewaltigen Aufgaben. Es gilt, die Gemeinde „zukunftssicher“ zu machen, denn sie ist in den letzten Jahrzehnten geschrumpft. Dies ist im Wesentlichen dem demographischen Wandel geschuldet, aber auch Kirchenaustritten. In Folge sollen alle Aktivitäten um die sanierte Dorfkirche in Neukirchen konzentriert werden.

Kein leichtes Unterfangen war es, die Johanniskirche und das Gemeindehaus Arche auf dem Rayener Berg zu verkaufen. Mit Michael Victor wurde ein Makler gefunden, dem dies Kunststück gelang.

So konnte das Presbyterium am Sonntag der Gemeinde mitteilen, dass Familie Welling Kirche und Arche erwerben wird. Die Wellings betreiben das Parkhotel in Kamp-Lintfort und die Linde in Repellen. „Wir werden die Johanniskirche als kulturellen Spielort für Konzerte, Lesungen und Kleintheater etablieren“, erklärt Falko Welling „und die Arche werden meine Verlobte Anni Volz und ich als Privatwohnhaus umgestalten.“

Die Kirche wird umfänglich renoviert, so dass weiterhin Trauungen und der Heiligabendgottesdienst dort stattfinden können. Darüber hinaus werden Vorträge und Seminare - deren Inhalt zum Gebäude und seiner Historie passen - dort abgehalten.

Pfarrer Rusch, der Vorsitzende des Presbyteriums der Gemeinde, resümiert erleichtert, „Wir sind froh, dass wir mit der Familie Welling eine so gute Lösung gefunden haben. Nun haben die Rayener Gemeindeglieder wenigstens punktuell die Möglichkeit das Gebäude zu nutzen“.

Falko Welling zählt auf, was es in der Kirche nicht geben wird. Keine Gastronomie, kein Restaurant, keine Feiern. Vielleicht mal ein Glas Sekt oder ein Häppchen nach einer Trauung oder in einer Konzertpause.

Das war bisher ja auch schon so.

Bau- und verwaltungsrechtlich ist noch manche Hürde zu nehmen, aber neben Kirchengemeinde und Wellings sind auch Politik und Verwaltung von dem Projekt angetan.

Jetzt gilt es, die Rayener mit ins Boot zu nehmen. Die Kirchengemeinde lud die Bürger des Ortsteils am 19.6. um 19.30Uhr in die Johanniskirche ein. Pfarrer Frank Rusch, Vorsitzender des Presbyteriums, begrüßte die zahlreichen Gäste und übergab so dann an Falko Welling, der die Pläne für Kirche und Gemeindehaus anschaulich präsentierte. Die Johanniskirche soll für Gottesdienste, Trauungen, Trauerfeiern und Vorträge genutzt werden. Und sie soll ein Ort der Kultur werden. Schon in Kürze wird mit Sanierungen begonnen, die Zuwegung wird verbessert. Staunend erfuhren die Rayener, dass sie wohl möglich mit dem Golfcaddy vor die Kirche fahren können - aber nur wenn sie gehbehindert sind.

Knackpunkte sind aktuell die Parkplätze, die Toilettenanlage und die Erweiterung der Arche zum Familienwohnhaus der Wellings. Um das Ok bei den staatlichen Aufsichtsbehörden will man sich gemeinsam mit Rat und Verwaltung kümmern. Dass in diesen Fragen alle an einem Strang ziehen, stellte Bürgermeister Lenzen klar. Der Bürgermeister, ebenfalls begeistert, versprach die volle Unterstützung von Rat und Verwaltung.

Die Rayener honorierten die Pläne der Wellings mit Applaus. Eine Win-Win-Lösung ist gefunden. Für die Hotelier- Familie, für die Rayener und nicht zuletzt für die evangelische Kirchengemeinde Neukirchen. Alle sind zufrieden. Die Turmuhr wird die Zeit anzeigen, die Glocken werden läuten und der Ort, Mittelpunkt des Straßendorfes, ist weiter offen.

Last but not least: Es steht nicht schlecht, dass der beleuchtete Kirchturm signalisiert, hier entsteht ein neuer Leuchtturm für die Region.

Ulla Ehrmann
Stellvertretende Vorsitzende des Presbyteriums